Aus dem Leben einer Heimwerkerin

Ein Baumarkt ist für mich das Shoppingparadies schlechthin. Manche Frauen kreischen vor Entzücken, beim Anblick von High Heels im Sonderangebot und stellen sich dabei vor, wie sie mit ihrem Liebsten, damit übers Tanzparkett schweben. Mein Puls beschleunigt auf 180, wenn ich eine reduzierte Handkreissäge entdecke. Die Mitarbeiter eines Baumarktes irritiert es trotz Emanzipation, wenn Frau in die heilige Welt der Männer einbricht.Schraubenzieher

Immer dann, wenn man es nicht gebrauchen kann, geht ein Zubehör defekt oder ist abgenuddelt. Das letzte Sägeblatt meiner Stichsäge war stumpf und ich brauchte ein neues. Ab ins Auto und zum Baumarkt.

Ja nun gibt es leider nicht nur eine Stichsäge im Universum, sondern ziemlich viele. Ich wusste zwar den Herstellernamen, aber warum muss man denn jedes Jahr ein neues Modell herausbringen? Gibt es da auch einen Modetrend? „Dieses Jahr trägt der Herr auf seiner Heimwerkertour das angesagte mintgrüne Stichsägenmodell. Durch seine schnittige Form stiehlt sie der männlichen Unterarmmuskulatur nicht die Show, sondern betont sie sogar. Besonders zu beachten: der auffällig rote Power – Anschaltknopf: aggressiv und feurig wie der Besitzer!“

Rätselnd stand ich vor dem Regal und ohrfeigte mich innerlich, dass ich mir den Namen der Säge nicht aufgeschrieben hatte. Selbst ein Foto mit dem Handy hätte mich weitergebracht. Aber ein eifriger Baumarktmitarbeiter kam mir schnell zu Hilfe und fragte, ob ich ein Geschenk suche. „Ja genau. Ich würde mir gerne neue Sägeblätter für meine Stichsäge schenken.“ Fand er nicht lustig und fragte mich schon etwas unfreundlicher, ob ich Hilfe brauche. Also erklärte ich ihm mein Dilemma und zeigte auf die unterschiedlichen Sägeblätter. Augenrollend erzählte er mir, dass er jedes kleinste Detail seiner Werkzeugsammlung kenne und mich nicht ganz verstand. „Fragen sie Ihren Mann, der weiß am besten, was er braucht.“ sagte er und wollte gehen. „Moment…die Stichsäge gehört mir und ich arbeite damit.“ hielt ich ihn zurück. Jetzt hatte ich sein Interesse geweckt und ich bekam einen schönen Vortrag. Schwere Werkzeuge gehören nicht in zarte Frauenhände, ob ich keinen Mann hätte und ich bekam den abgedroschenen Witz zu hören: wenn Schreiner Bier bestellen.. Zarte Hände sehen anders aus als meine und schwer ist eine Stichsäge auch nicht, einen Mann habe ich, aber das hat nichts mit der Stichsäge zu tun. Und ich arbeitete einige Zeit mit sechs Schreinern zusammen und alle hatten noch ihre zehn Finger. Wutentbrannt fuhr ich nach Hause und notierte mir das Modell meiner Stichsäge.

HammerDann ging mein Entscheidung über die Sägeblätter auch ziemlich schnell: Herstellername und Modell sind wirklich wichtig.

Da ich nun mal schon im Baumarkt war, konnte ich mich auch gleich mit Farbe eindecken. Für die meisten Projekte benutze ich weiße Acrylfarbe und überlegte kurz, ob ich eine kleine oder doch lieber gleich eine große Dose mitnehmen sollte. Ich weiß nicht, ob an dem Tag der engagierteste Mitarbeiter eine Prämie bekommen sollte, aber ratzfatz wollte mir ein Mitarbeiter helfen. „Wofür brauchen Sie die Farbe?“ wollte er wissen. Eigentlich hatte ich ja kein konkretes Projekt im Auge und erzählte ihm, dass ich gerne in Arcylweiß streiche, sehr zufrieden bin und nur in weiser Voraussicht Farbe mitnehmen wolle. Das gefiel dem Farbenberater gar nicht. Also man müsse schon wissen, für welches Holz. Grundierung? Sollen es mit Lebensmitteln oder Kindern in Kontakt kommen? Wetterfest? Pinsel oder Rolle? Was hat denn Ihr Mann gesagt? Ein kleines bißchen war ich angenervt, aber ich wollte jetzt nicht zickig werden und unternahm einen neuen Versuch. In Kleinkindformat erzählte ich über meinen Blog und den Holzarbeiten, denen ich mich widme. Kleinmöbel restaurieren, Selbstgebautes oder DIY Projekten. Da wurde der Baumarktmitarbeiter wieder freundlicher und plauderte über seine Schwester, die ihre Häkelarbeiten auf dem Weihnachtsbazar verkaufen würde. Und dann die Frage, was ich denn zum Verkauf anbiete und der Hinweis, dass ich ihre Farbe nicht weiter verkaufen dürfe. „Ich häkel auch sehr gerne, besonders im Winter. Aber ich verkaufe nichts über meinen Blog. Ich will nur Farbe kaufen.“ erklärte ich dem netten Herrn. „Und warum haben Sie diesen Blog, wenn Sie kein Gewinn machen?“ fragte er verdattert.

Im Endeffekt habe ich nur die Sägeblätter gekauft. Ein paar Gemüsepflänzchen hätten mich auch interessiert, aber ich hatte keine Lust zu belegen, ob ich eine Grünpflanze in meine Obhut nehmen könne und mein Mann damit einverstanden sei.

PS: Die Kassierin fand meine Anfrage, ob Sie mir die Sägeblätter als Geschenk einpacken könnte, nicht lustig.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende….

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